20. Juli 2022

Begleitung beim Schritt aus der Werkstatt

Das Integrations-Management unterstützt BWB-Mitarbeitende, die einen Arbeitsplatz außerhalb der Werkstatt haben. Unterwegs mit den Jobcoaches Jan Heyde und Sabine Teutloff.

Ein Dienstag im Februar, es ist kurz nach 8:00 Uhr morgens. Niels Hensen arbeitet da schon eine Stunde im Archiv der Max-Planck-Gesellschaft in Dahlem und wartet auf den Besuch von Jan Heyde. „Das ist mein Integrationshelfer“, sagt Hensen. Er hat im November 2020 zunächst ein Praktikum im Archiv gemacht und dann im Januar letzten Jahres einen ausgelagerten Einzelarbeitsplatz bekommen. Jan Heyde, Jobcoach beim Integrations-Management der BWB (IMB), begleitet und unterstützt ihn dabei mit Rat und Tat. 

Anfangs hat Heyde ihn einmal in der Woche besucht. „Inzwischen komme ich in der Regel nur alle zwei Wochen zu Herrn Hensen, telefoniere aber zwischendurch mit ihm“, sagt der Jobcoach. „Er arbeitet seit Beginn so selbstständig und die Mitarbeiter des Archivs sind so offen, herzlich und hilfsbereit, dass häufigere Besuche gar nicht nötig sind.“ Es ist gleich zu spüren, wie sehr Hensen seine Arbeit mag. „Ich hab sogar ein eigenes Büro und einen Computer“, erzählt er stolz. An dem sitzt er zum Beispiel, um mithilfe einer speziellen Archiv-Software die Personalakten der Bibliotheca Hertziana zu erschließen.

Die Atmosphäre im Archiv ist ruhig und konzentriert, viele Bürotüren stehen offen. Elf feste und noch eine Handvoll freie Mitarbeiter sind hier tätig. Man läuft sich ständig über den Weg, trifft sich in der gemeinsamen Küche oder unterhält sich kurz auf dem Flur. Niels Hensen ist gut integriert, kommt mit den Kollegen schnell ins Gespräch. „Es ist wirklich toll, ihn hier zu erleben“, sagt sein Jobcoach. Gemeinsam gehen die beiden erst einmal zum Büro von Simon Nobis. Der Diplom-Archivar kümmert sich um die Archivbestände der Kaiser-Wilhelm-Bibliothek. Daneben betreut er die Auszubildenden und Praktikanten und ist auch erster Ansprechpartner für Niels Hensen. Mit Nobis hat Jan Heyde auch geklärt, dass Niels Hensen wegen seines langen Arbeitsweges ab Februar 2,5 Stunden weniger in der Woche arbeitet. Bei Heydes Besuch im Archiv geht es unter anderem um das Budget für Arbeit, über das sich Hensen und Nobis am Vortag unterhalten haben. Weiter geht’s in Hensens Büro in der 2. Etage. Er reicht Jan Heyde einen Urlaubsantrag und erzählt dann, woran er gerade arbeitet. Zwischendurch kommt ein Archivmitarbeiter vorbei und fragt, ob es beim gemeinsamen Rüberfahren von Akten zum Archivturm nebenan bleibt. „Ja klar, um halb 11“, antwortet Hensen vergnügt und macht noch ein paar Späße mit dem Kollegen.

„Nicht alle Besuche laufen so problemlos ab“, erzählt Jobcoach Heyde. Im Schnitt betreut er immer zwischen zehn und 15 Mitarbeitende auf Einzelarbeitsplätzen, aktuell sind es zwölf. Die Arbeitsstätten sind über die ganze Stadt verteilt. Wenn es keinen akuten Klärungsbedarf gibt, besucht er jede/n einmal in der Woche, manche, wie Niels Hensen, alle zwei Wochen. Hinzu kommen diejenigen, die gerade ein vorbereitendes Praktikum in einem Unternehmen machen. „Da bin ich oft sogar zweimal in der Woche.“ Bei den Besuchen geht es um Erlebnisse bei der Arbeit, um organisatorische Dinge oder auch um mögliche Probleme oder Ängste. Zwischen einer halben und zwei Stunden dauern solche Termine. 

An einem festen und oft noch an einem zweiten Tag in der Woche sowie zwischen den Besuchen arbeitet Heyde im IMB-Büro in der Friedrichstraße. Hier füllt er die Kompetenzbögen zu den von ihm betreuten Mitarbeitenden aus, recherchiert nach neuen Unternehmen, die für ausgelagerte Einzelarbeitsplätze infrage kommen könnten, nimmt Kontakt mit ihnen auf. An den verschiedenen BWB-Standorten veranstalten Heyde und seinen Kollegen zudem regelmäßig Sprechstunden. „Vor Corona waren wir alle vier Wochen vor Ort, seit zwei Jahren müssen die Sprechstunden leider meist digital stattfinden.“ Die vier Jobcoaches des IMB betreuen aktuell 50 Mitarbeitende. Jeden Donnerstag von 7:30 bis etwa 9:30 gehen sie und IMB-Leiter Guido Handschug gemeinsam sämtliche Fälle durch, seit Corona meist digital. „Alle sollen immer auf dem aktuellen Stand sein, um im Falle von Urlaub oder Krankheit für die eine oder den anderen einspringen zu können“, erläutert Jan Heyde.

Zwölf Mitarbeitende pro Jobcoach

Nach einem kurzen Zwischenstopp in der Friedrichstraße geht es um 11:00 Uhr mit Jobcoach Sabine Teutloff weiter nach Moabit. Sie besucht heute Thomas Reinhard bei Skull & Bunny, einem Modeversand mit kleinem Laden. Der 40-Jährige öffnet die Tür, er ist alleine. „Frau Tahedl, meine Chefin, ist gerade auf einer Messe in München“, erzählt er. Reinhardt hat schon bei Susanne Tahedl gearbeitet, als sie noch Mitinhaberin eines Onlineversands für Kindermode war. Als der schließen musste und Tahedl etwas Neues plante, wollte sie Thomas Reinhardt unbedingt mitnehmen. „Da musste ich nicht lange überlegen.“ 

Seit der Gründung von Skull & Bunny im Jahr 2018 hat der gelernte Bürokaufmann hier einen ausgelagerten Einzelarbeitsplatz. „Den Schlüssel für den Laden hat mir Frau Tahedl gleich anvertraut. Ich bin morgens auch meistens als erster hier.“ Anfangs hat er viel beim Aufbau mitgeholfen, die Regale eingeräumt, Handwerker reingelassen. Inzwischen kümmert er sich um das Lager, bearbeitet, verpackt und verschickt die Onlinebestellungen, er betreut die Website, hält die Datenbank auf dem neuesten Stand, stellt neue Bilder ein und gestaltet den Newsletter. Er zeigt Sabine Teutloff die Anleitungen, die er selbst verfasst hat. „So kann das auch jemand anderes übernehmen, wenn ich mal nicht da bin.“ Reinhardt erzählt, woran er gerade arbeitet, zeigt stolz das aufgeräumte Lager, verpackt zwischendurch eine gerade bestellte Kerze – erst in Seidenpapier, dann in einen Karton. 

„Thomas Reinhard arbeitet enorm selbstständig“, berichtet Teutloff. Einmal in der Woche, manchmal auch alle zwei Wochen besucht sie ihn in Moabit. Probleme gebe es selten. Wie ihr Kollege Jan Heyde betreut auch sie insgesamt zwölf Mitarbeitende auf ausgelagerten Einzelarbeitsplätzen und zusätzlich Praktikantinnen und Praktikanten. Auch sie ist an vier Tagen der Woche in der ganzen Stadt unterwegs und an einem festen Tag im Büro. Im Schnitt dauern die Termine eine Stunde, wenn Bedarf ist auch schon mal zwei. „Da hilft es, dass einige Mitarbeitende recht flexibel sind und nicht gleich unruhig werden, wenn ich nicht exakt zur geplanten Zeit da bin.“ Nach den Besuchen macht Teutloff sich Notizen, im Büro schreibt sie dann die Kompetenzbögen. Auch sie akquiriert regelmäßig neue Unternehmen. „Wenn wir Interessenten an einem ausgelagerten Arbeitsplatz haben, schaue ich erst mal nach Firmen in Wohnortnähe.“ Die meisten Unternehmen seien sehr offen. „Es kommen auch immer wieder welche auf uns zu, nachdem sie die BWB und das IMB zum Beispiel auf Messen kennengelernt haben. Momentan haben wir mehr Arbeitsplätze als Interessenten“, erzählt sie in der S-Bahn auf dem einstündigen Weg nach Hohenschönhausen. 

Dort trifft sie Ronny Schröpfer, der seit Anfang 2018 im FSE-Seniorenheim Käthe Kern arbeitet. Solche Einrichtungen trifft die Corona-Pandemie besonders hart, ein Treffen ist deshalb nur draußen vor der Tür möglich. „Ich kannte Ronny Schröpfer schon vorher, als er ein Praktikum in der AGB gemacht hat“, erzählt Teutloff. „Da waren mit aber zu viele Leute“, sagt Schröpfer. Danach, in einer anderen Bücherei am Alexanderplatz, sei es ihm hingegen zu einsam gewesen. „Die Arbeit im Betreuungsbereich des Seniorenheims ist dagegen genau das richtige für ihn“, freut sich Teutloff. Ronny Schröpfer erzählt, wie belastend die Situation gerade ist, weil mehrere Bewohner an Corona erkrankt sind und ohnehin kaum noch Veranstaltungen mit den Senioren stattfinden können. „Vorher habe ich mit ihnen gesungen, Kuchen gebacken, war beim Gedächtnistraining dabei.“ Auch der Umgang mit Demenz und Tod sei hart. Dennoch fühle er sich hier sehr wohl. Zwischendurch schaut der Leiter des Betreuungsbereichs im Seniorenheim vorbei und betont gleich, wie gut es mit Ronny läuft. „Normalerweise arbeitet er ja auf einer anderen Station, wegen der Corona-Fälle musste er nun aber wechseln. Darauf hat er sich gut eingestellt.“ 

Aufgrund der frostigen Temperaturen dauert dieser Termin nur etwa eine halbe Stunde. Anschließend, gegen 14:30 Uhr, fährt Sabine Teutloff zurück ins IMB in der Friedrichstraße und macht sich Notizen zu den letzten Terminen. Sie checkt ihre E-Mails und bearbeitet Anfragen. „Die vielfältigen Aufgaben und das flexible Arbeiten gefallen mir sehr gut“, sagt sie. Und auch, dass sie sich so intensiv auf einzelne Mitarbeitende konzentrieren könne und nicht immer ganzen Gruppe betreue. „Ich bin froh, dass ich vor vier Jahren ins IMB gewechselt bin.“

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