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// März 22, 2012

„Ich will in diesem Jahr alles gewinnen“

Rubrik: Kurzmeldungen, Newsarchiv

Ein nasskalter Wintertag. Man möchte am liebsten drin bleiben und sich die Glieder bei einer Tasse Tee wärmen. Michael Kürten kennt solche Bequemlichkeiten nicht, jedenfalls nicht, wenn es um seine Mannschaft geht, die Fußballer der BWB. Er trainiert bei fast jedem Wetter mit ihnen draußen auf dem Sportplatz am Columbiadamm. Die Sportler der BWB betreut er schon seit vielen Jahren. Kürten ist seit seinem zehnten Lebensjahr begeisterter Fußballspieler. Privat spielt er seit mehr als 25 Jahren beim FC Internationale Berlin, einem Klub in Schöneberg, inzwischen in der Ü50. Bei diesem Klub war er bis zum vergangenen Sommer auch als Trainer tätig. Bei der BWB-Süd arbeitet der gelernte Werkzeugmacher mit sonderpädagogischer Zusatzausbildung im Berufsbildungsbereich.

Die Männer, die Michael Kürten zum Aufwärmen über den Platz scheucht, sind 18 bis fast 50 Jahre alt. Sie sind die besten, die die BWB zu bieten hat. Zu ihnen gehört etwa Samet Ayar, ein großes Talent. Der 21-Jährige spielte schon in der Nationalmannschaft für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung. Während ein leichter Regen einsetzt, trainieren die Sportler mit der Koordinationsleiter. Dieses Gerüst aus Kunststoff liegt auf dem Rasen. Die Spieler laufen darüber und müssen dabei jedes Feld der Leiter einmal berühren. Oder der Trainer gibt ein anderes Muster vor. Die Fußballer schulen so ihr Tempo und ihre Geschicklichkeit. Am Rand des Spielfelds stehen Männer und Frauen aus dem Berufsbildungsbereich und feuern sie an.

Dann kicken die Sportler, und Michael Kürten hat etwas Zeit, über die Pläne für 2012 zu sprechen. Am 2. April um 19 Uhr sind sechs Fußballer der BWB mit dabei, wenn eine Landesauswahl geistig behinderter Sportler im Poststadion gegen die Grüne Tulpe antritt. So heißt die Mannschaft der Bundestagsfraktion Bündnis 90 / Die Grünen.

Foto 2011

Gewinnen wollen die BWB-Fußballer in diesem Jahr auch die Berliner Verbandsliga und die Berliner Werkstattmeisterschaften. Dieser Sieg würde sie für die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften der Werkstätten für behinderte Menschen qualifizieren. In der Berliner Verbandsliga kicken auch Mannschaften aus sozialen Einrichtungen, nicht nur aus Werkstätten.

Darüber hinaus stehen zahlreiche Freundschaftsspiele und Turniere an. Das Jahr begann bereits verheißungsvoll: Schon Anfang Februar besiegten die BWB-Männer bei der Hallenmeisterschaft der Fußball-Verbandsliga sechs andere Mannschaften. Sie sind jetzt Berliner Hallenmeister. Am 11. Februar beteiligten sich die Fußballer an einem deutschlandweiten Turnier von Mannschaften der Geyer Gruppe, einem wichtigen Partner der BWB. Die BWB-Männer waren die einzigen behinderten Sportler bei diesem Wettkampf in Berlin. Sie erreichten einen beachtenswerten vierten Platz – bei neun teilnehmenden Mannschaften.

Rund 50 Männer und 15 Frauen spielen bei der BWB Fußball. Es ist wohl die beliebteste Sportart. Die BWB hat den Ruf, hier mehr zu bieten als andere Werkstätten. „Wir bieten ein qualifiziertes Training an“, sagt Michael Kürten. Während den Sportlern anderswo nur die Leibchen und der Ball hingelegt werde, besteht eine Trainingseinheit bei der BWB aus Aufwärmen und durchdachten Übungen, die die Fähigkeiten der Sportler erweitern sollen. Die BWB investiert viel in ihre Mannschaften, bezahlt Reisen und Übernachtungen und nicht zuletzt das Salär der Trainer. Viele Kollegen drücken den Sportlern die Daumen und freuen sich, wenn sie gewinnen. „Und keiner identifiziert sich so mit der BWB wie die Fußballer“, sagt Michael Kürten.

Die Fußballer wirken als Multiplikatoren. Sie begeistern andere für das runde Leder und für ihre Werkstätten. Der Fußball hilft ihnen auch dabei, besser mit ihrer Arbeit und ihrem Alltag zurechtzukommen. Wenn sie mit Michael Kürten auf dem Spielfeld stehen, trainieren sie ihre körperliche Fitness, ihren Teamgeist, ihr Durchhaltevermögen, ihre Disziplin. „Wenn ich sage, wir fangen um 13 Uhr an, dann stehen pünktlich alle Sportler da, fertig umgezogen“, formuliert es der Trainer.

Die Sportler loben seine Fähigkeiten. „Er hat eine gute Technik und immer was Neues drauf“, sagt Olaf Dräger. „Außerdem kann man mit ihm über Probleme reden.“ Der 37-Jährige will in dieser Saison „alles gewinnen“ und plant dafür ein regelmäßiges Extra-Training ein. Auf Erfolgskurs ist auch sein Mannschaftskollege Vincent Grüneberg: „Ich will zu den Special Olympics World Games nach Los Angeles fahren“, sagt der 24-Jährige selbstbewusst. Diese Spiele finden 2015 statt.

Im Internet: fussball-wfbm.de gruene-tulpe.de

 

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